von Burkhardt Prigge, Consultant, Kepner-Tregoe 
 
 
Kann es sein, dass wir zu viel lesen, und deshalb weniger verstehen? Nahezu rund um die Uhr online zu sein, permanent Internet, E-Mail und Social Media zu nutzen, das hat die Informationsaufnahme heutiger Digital Citizens derart vergrößert, dass die weitere Verarbeitung all dieser Informationen geradezu zwangsläufig zu kurz kommen muss.​​
 
Laut einer Studie der University of California, San Diego, konsumieren wir täglich im Durchschnitt etwa 34 Gigabyte an Informationen, verteilt auf verschiedene Geräte. Das entspricht nahezu 100.000 Wörtern pro Tag, die wir lesen oder hören. 
 
Diese und viele andere Studien zitiert Maryanne Wolf, amerikanische Neurowissenschaftlerin mit Forschungsschwerpunkt im Bereich des Lesens,  in ihrem neuen Buch „Reader, Come Home – The Reading Brain In a Digital  World“ [1].
 
Mark Edmundson, Literatur-Professor an der University of Virginia befürchtet, wenn alle Informationen ständig als Unterhaltungsform auf der Oberfläche wahrgenommen werden, bleiben sie an der Oberfläche und behindern möglicherweise das reale Denken, anstatt es zu vertiefen.
 
Diese Unterscheidung passt gut zur Einteilung des Denkens in zwei kognitive Systeme, wie sie Daniel Kahneman in seinem Bestseller "Schnelles Denken, Langsames Denken“ [2] vorgenommen hat:
 
„System 1 arbeitet automatisch und schnell, weitgehend mühelos und ohne willentliche Steuerung. System 2 lenkt die Aufmerksamkeit auf die anstrengenden mentalen Aktivitäten, die auf sie angewiesen sind, darunter auch komplexe Berechnungen. …“
 
Es mag angenehm, einfach und bequem sein, sich im System 1-Modus laufend mit Informationen bespielen zu lassen, aber wenn es gilt, wichtige Entscheidungen zu treffen oder schwierige Probleme zu lösen, dann benötigen wir System 2 und damit einhergehend eine andere, langsamere Art zu lesen. Dann ist das Buch dem Tablet überlegen und der Schreibblock dem Smartphone.  
 
Wer mag, soll weiter Social Media und dergleichen auf dem Telefon oder der Armbanduhr konsumieren, dann aber bewusst die Plattform wechseln, wenn Aufgaben anstehen, die ein tiefergehendes Denken erfordern.
 
Für die Verarbeitung von Informationen und Daten und die Dokumentation der Kepner-Tregoe-Prozesse stellen wir unseren Anwendern eine Vielzahl von Medien zur Verfügung, die eine große Bandbreite und Tiefe abdecken. Dazu gehören Apps für Analysen auf dem Tablet oder in der Cloud, eine Excel-Arbeitsmappe oder auch auf Papier ausgedruckte A3-Arbeitsblätter.
 
Die Lösung der kniffligsten Aufgaben moderieren wir noch immer am besten auf Flipcharts. Das Medium ist langsam und zuweilen ein wenig unhandlich, aber noch immer unübertroffen, wenn es darum geht, für eine Gruppe von Experten das Denken sichtbar zu machen und ein Lesen zu unterstützen, bei dem neue Erkenntnisse und Ideen entstehen können.
 
Dann lesen wir weniger, langsamer, aber verstehen mehr.
 
Wenn Sie mehr über Kepner-Tregoe erfahren wollen, dann kontaktieren Sie uns oder melden Sie sich für einen unserer öffentlichen Workshops an. 
 
[1] WOLF, Maryanne: Reader, Come Home – The Reading Brain in a Digital World. HarperCollins Publishers, New York 2018
[2] KAHNEMANN, Daniel: Schnelles Denken, Langsames Denken (dt. Übers.). Siedler, München 2011.
[3] BECKERS, Maja in: Hohe Luft, Philosophie-Zeitschrift, Ausgabe 1/2019, S. 10. Hamburg, 2018.
[4] SPITZER, Manfred: Digitale Demenz. Droemer Taschenbuch, München 2012. 

[5] WOLF, Maryanne: Schnelles Lesen, Langsames Lesen – Warum wir das Bücherlesen nicht verlernen dürfen. Penguin Verlag, München 2019
[6] KÜCHEMANN, Fridtjof: Ein Schaltkreis fürs Buch, einer für den Bildschirm, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, online am 1.5.2019; https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/rezensionen/sachbuch/schnelles-lesen-langsames-lesen-von-maryanne-wolf-16149011.html

 
 
 
 
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